Frankreichs Stromverbrauch explodiert wegen Kälteeinbruch

Paris – Bis zu 60 Zentimeter Schnee sind in der Bretagne zu finden, festsitzende Lastwagen, querstehende Autos keine Ausnahme – Frankreich erlebt einen ungewöhnlich kalten Start in den Dezember. Die Temperaturen liegen nach Meteorologen-Angaben rund sieben Grad Celsius unter dem Durchschnittswert. Der Kälteeinbruch bringt den Atomstaat mit seinen 58 Kernkraftwerken an die Grenze seiner Stromkapazitäten, da die bibbernden Franzosen zu Hause alle verfügbaren Wärmequellen aufdrehen – und in knapp zwei Dritteln aller Wohnungen stehen elektrische Heizöfen. Zu Spitzenzeiten wurde eine Last von bis zu 90 000 Megawatt erreicht – das liegt knapp unter dem absoluten Rekord von 93 100 Megawatt aus dem Februar dieses Jahres.

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Energieminister Eric Besson tat bei einem demonstrativen Besuch der Strom-Koordinationsstelle CNESS im Pariser Stadtteil Saint-Denis Befürchtungen eines Blackouts als unbegründet ab. Obwohl sieben Kernkraftwerke für Wartungsarbeiten vom Netz genommen wurden, sei ein Blackout trotz vereinzelter örtlicher Stromausfälle nicht zu erwarten. Ein schwacher Trost für die etwa 3000 bretonischen Haushalte, die auch am Freitagmittag noch nicht wieder ans Elektrizitätsnetz angeschlossen waren. Frankreich will alle seine Atomkraftwerke im Januar/Februar wieder am Netz haben, um für die befürchtete neue Kältewelle gewappnet zu sein.

Vom harten Wintereinbruch betroffen waren seit Wochenbeginn vor allem die Bretagne und die Normandie, aber auch die Randgebiete des Pariser Großraums. Viele Schulbusse konnten nicht fahren, die Kinder freuten sich über unverhoffte Freizeit. Unterdessen fluchten die Autofahrer, die bei klirrender Kälte im morgendlichen Pendlerverkehr festsaßen. Bei Cherbourg steckten Hunderte Lastwagen fest, die Fahrer vertrieben sich mit Schneeballschlachten die Wartezeit.

Meteorologen wälzen Archivmaterial, um örtlich neue Kälterekorde zu bestätigen. Mit augenzwinkerndem Humor warf eine Zeitung bereits die Frage auf, was denn eigentlich nun mit der Klimaerwärmung sei, wenn die Winter doch nun immer kälter würden.

Selbst die modernen Eurostar-Hochgeschwindigkeitszüge mussten vor den klirrend-kalten Temperaturen kapitulieren. Die Betreiber kündigten am Freitag erneut Verspätungen und Ausfälle im Bahnverkehr zwischen dem europäischen Kontinent und der britischen Hauptstadt London bis zum Sonntag (5. Dezember) an.

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